Ein Wort. Seine Geschichte. Die Gesetze.

Woher „schwul“ kommt, welche Gesetze schwules Leben geprägt haben und was sich über Jahrhunderte verändert hat.

Los geht’s
Vom 17. Jahrhundert bis heuteNeugierig? Gut so.Redaktionsstand: 12.10.2026 ↗

Bevor wir zurückblättern

Ganz normal.
War nicht immer einfach.

„Schwul“ wurde geflüstert, als Beleidigung benutzt und selbstbewusst ausgesprochen. Diese Bedeutungen lösten einander nicht ordentlich ab: Abwertung und vertraute Selbstbezeichnung konnten gleichzeitig bestehen.

Diese Zeitlinie verbindet die Geschichte des Wortes mit dem Leben und der Rechtslage in Deutschland. Denn wie frei jemand „Ich bin schwul“ sagen konnte, hing auch davon ab, welche Folgen dieser Satz haben konnte.

Und jetzt: das normale Leben.

Schwul sein.
Den Rest des Tages auch.

Ich habe mich nie versteckt.

Mit 14 sagte ich meinen Eltern, dass ich schwul bin. Danach stand ich vor meiner Schulklasse und sagte es auch dort. Meine Mitschüler wussten es, meine Lehrer und später die Menschen in meiner Ausbildung zum Schneider. Ich machte kein Geheimnis daraus, wer ich bin.

In Ost-Berlin erlebte ich meine erste große Liebe. In der Schoppenstube traf ich Freunde und fand Gemeinschaft. Schwul sein bedeutete für mich Menschen, Begegnungen und mein eigenes Leben.

Der Staatsapparat machte daraus einen Aktenvermerk. Auf einem Schreiben des Staatsanwalts des Bezirkes Erfurt vom 21. Februar 1989 steht: „Obst ist homosexuell.“ Was für mein Umfeld längst selbstverständlich war, wurde festgehalten und aufbewahrt.

Heute nenne ich diesen Vermerk mit einer gewissen Ironie mein „offizielles Zertifikat“. Der Humor macht die Überwachung nicht harmloser. Aber wie ich heute über mein Leben erzähle, bestimme ich selbst.

Diese Website verbindet Geschichte mit meiner persönlichen Erfahrung. Hinter den Begriffen und Paragraphen stehen Menschen, Freundschaften und die Freiheit, offen zu leben. Davon möchte ich erzählen.

Mario V.W.B.R. Obst

Mehr aus meiner Geschichte: Kein Geheimnis – und trotzdem aktenkundig →

Illustration: Mario am Schreibtisch

Von Mario & Aik

Neugier verbindet.

Ein Mensch, sein KI-Assistent
und die Freude am Fragen.

Lerne die beiden kennen →
Illustration: Aik beim Programmieren